Der Familienname „Schulze“ hat eine lange und interessante Geschichte, die tief in die deutsche Sprach- und Sozialgeschichte eingebettet ist. Der Name selbst stammt aus dem Mittelhochdeutschen und leitet sich von der Bezeichnung „Schultheiß“ ab. Der Schultheiß war ein Amtsträger in der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit, welcher für die Einhaltung des Rechts in einem Dorf oder einer Gemeinde verantwortlich war. Er agierte oft als eine Art Ortsvorsteher oder Bürgermeister und fungierte als Vermittler zwischen der Grundherrschaft und den Dorfbewohnern.
Schultheiß
Der Begriff „Schultheiß“ setzt sich aus den Worten „Schuld“ und „heißen“ zusammen. „Schuld“ bezog sich ursprünglich auf Abgaben und Steuern, die an den Landesherrn zu entrichten waren, während „heißen“ im Sinne von „befehlen“ oder „anordnen“ verstanden wurde. Der Schultheiß war also derjenige, der die finanziellen Verpflichtungen der Dorfgemeinschaft zu verwalten und durchzusetzen hatte.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Name „Schulze“ aus der Kurzform „Schultze“, die in verschiedenen Dialekten und Regionen unterschiedlich ausgesprochen und geschrieben wurde. Neben „Schulze“ finden sich daher auch Variationen wie „Schulz“, „Schultz“, „Scholz“, „Schultheiß“ und „Schultze“, die alle ähnliche Wurzeln besitzen und territorial oder dialektal bedingte Schreibvarianten darstellen.
Der Name „Schulze“ und seine Varianten sind besonders in Nord- und Mitteldeutschland verbreitet. Das ist darauf zurückzuführen, dass das Amt des Schultheißen in verschiedenen Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt war und somit auch die Verbreitung des Namens beeinflusste.
Vorkommen
Heute ist „Schulze“ einer der häufigsten Nachnamen in Deutschland und spiegelt die reiche Geschichte der mittelalterlichen deutschen Gesellschaft wider. Eine detaillierte Untersuchung des Namens finden Interessierte in etymologischen Wörterbüchern und genealogischen Studien, die sich intensiver mit der Rolle und Entwicklung solcher Berufsbezeichnungen als Nachnamen befassen. Ein empfehlenswertes Werk zu diesem Thema ist beispielsweise „Deutsches Namenlexikon“ von Hans Bahlow.
Der Name „Schulze“ steht in der Liste der häufigsten deutschen Nachnamen auf Platz 33. Es gibt etwa 137.000 Personen in Deutschland, die diesen Nachnamen tragen (Quelle: forebears.io).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Name „Schulze“ mehr ist als nur ein einfacher Familienname. Er repräsentiert eine historische Funktion und zeugt von einer Zeit, als die sozialen Strukturen in Deutschland noch stark von lokalen Ämtern und deren Inhabern geprägt waren.
Da der Name so häufig vorkommt, ist es schwierig, eine klare Bedeutung oder Herkunft des Namens zu bestimmen. Es ist anzunehmen, dass viele verschiedene Familien diesen Namen tragen und keine einheitliche Herkunft besteht.
Variationen
Schulz, Scholz, Schultze, Scholte, Scholtes, Scholtis, Scholtys, Schulte, Schultheis, Schultheiß
Namensverwandtschaft
Vogt, Voigt, Richter
Quellen
- Gottschald, Max. Deutsche Namenkunde: Unsere Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung. Berlin: Walter de Gruyter, 1992.
- Bahlow, Hans. Deutsches Namenlexikon: Familien- und Vornamen nach Ursprung und Sinn erklärt. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1972.