Bergsteiger-Unglück

Das Bergsteigen ist eine Leidenschaft, die sowohl von der Natur als auch von der Herausforderung lebt. Doch manchmal zeigt die Natur ihre unberechenbare und gnadenlose Seite. Ein solches Beispiel ist das tragische Unglück, das sich im September 1964 am Großvenediger in Österreich ereignete.

Drei Bergsteiger hatten sich aufgemacht, den majestätischen Großvenediger zu bezwingen. Der Ausgangspunkt ihrer Tour war die Wirtschaft Innerglöss in Matrei in Osttirol. Doch was als Abenteuer begann, endete in einer Tragödie. Gerhard Eberl und Ulrich Pantele (mein Onkel mütterlicherseits), beide aus Schondorf am Ammersee, verloren ihr Leben in einem plötzlichen Schneesturm, der ihre Pläne durchkreuzte.

Zu dieser Zeit war die erste Schutzhütte auf ihrem Weg noch nicht bewirtschaftet, weshalb die Gruppe entschied, ins Tal zurückzukehren, um weitere Verpflegung und erforderliche Ausrüstung zu holen. Voller Tatendrang und ohne zu ahnen, was sie erwarten würde, machten sie sich erneut auf den Weg hinauf. Doch das Wetter schlug um, und sie gerieten in einen dichten Schneesturm, der ihre Sicht und Orientierung erheblich beeinträchtigte.

Die Hütte, die ihnen Schutz bieten sollte, war zum Greifen nah – nur etwa 40 Meter entfernt. Doch der dichte Schneefall und die eisigen Winde machten es unmöglich, sie zu entdecken. In der Hoffnung auf Rettung beschlossen sie, den Rückweg ins Tal anzutreten. Doch die Erschöpfung war zu groß, und Gerhard und Ulrich schafften den Abstieg nicht mehr.

Der dritte Bergkamerad erkannte die Dringlichkeit der Situation und begab sich allein auf den Weg ins Tal, um Hilfe zu holen. Zeit war ein kritischer Faktor, und so eilte eine Rettungsmannschaft den Berg hinauf, um die vermissten Kameraden zu suchen. Gerhard und Ulrich wurden jedoch bereits leblos aufgefunden, als die Retter bei ihrem provisorischen Lager eintrafen.

Die Rückführung der Leichen nach Deutschland gestaltete sich schwierig. Doch schließlich setzte sich Pfarrer Gehring dafür ein, dass beide in Zinksärgen nach Schondorf zurück gebracht und dort auf dem Friedhof beigesetzt wurden. Die Tragödie hinterließ bei den Angehörigen tiefe Spuren.

Um die Erinnerung an Gerhard und Ulrich zu bewahren, errichteten einige Schondorfer ein Gedenkkreuz an der Stelle des Unglücks am Großvenediger. Es soll an die Gefahren der Natur und an die beiden Männer erinnern.

(Anm.: Das Beitragsbild zeigt meinen Onkel Ulrich 1959 als 17-Jährigen, also 5 Jahre vor seinem Tod.)

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