Burg Falkenstein in Flintsbach beschädigt

Zum Heimatsitz unserer Henauer-Linie, Flintsbach bei Rosenheim, ist uns eine ZDF-Meldung zur Burg Falkenstein aufgefallen. Das Hochwasser 2024 hat so einige Schäden an der Burg verursacht. Im April 2025 sind wir dann im Rahmen unseres „Forschungsurlaubs“ im Inntal auch zur Burg gewandert, da wir diese schon aus früheren Jahren kannten, um zu sehen, was sich geändert hat.

Als das Hochwasser 2024 sieben Jahrhunderte Geschichte ins Wanken brachte

Am Fuße des Großen und Kleinen Madron, hoch über dem Inntal bei Flintsbach, thront seit rund 700 Jahren die Ruine der Burg Falkenstein – für mich ein Ort mit besonderem Bezug, liegt doch der Heimatsitz meiner Vorfahren nur einen Steinwurf entfernt. Die Anlage entstand der Überlieferung nach um das Jahr 1300 als Nachfolgebau der zerstörten alten Burg Ober-Falkenstein und diente über Jahrhunderte als herzoglich-bayerischer Gerichtssitz, unter anderem im Besitz der Wittelsbacher, der Familie Hofer aus Schwaz und später der Freiherren von Hundt und von Ruepp. Im 15. und 16. Jahrhundert wuchs die Kernburg um eine ausgedehnte Vorburg nach Norden, im 16. und 17. Jahrhundert wurde die gesamte Anlage schlossartig erweitert. Zwei verheerende Brände, 1784 und 1789, besiegelten schließlich ihr Schicksal als Ruine – ein Zustand, der die Burg bis heute prägt und der sie touristisch als beliebtes Wanderziel unweit der Autobahn zur österreichischen Grenze bekannt gemacht hat.

Das Unwetter vom Juni 2024

Was Feuer im 18. Jahrhundert begann, setzte der Starkregen im Rahmen des Hochwassers in Süddeutschland 2024 gewissermaßen fort. Am 3. Juni 2024 rutschten infolge tagelangen Dauerregens Teile der Burgmauer der Vorburg nach Norden hin ab – ein Hangrutsch, der laut Landkreis Rosenheim 50 Anwohner unterhalb der Burg zur vorübergehenden Evakuierung zwang. Das Ausmaß der Schäden war zunächst nicht zu beziffern, die Hochwasserlage in der Region blieb angespannt. Bemerkenswert dabei: Die Burg war erst wenige Jahre zuvor, zwischen 2016 und 2019, für rund eine Million Euro aufwendig saniert worden – ein Umstand, der die Wucht des Ereignisses noch deutlicher macht.

Schon kurz nach dem Abrutsch begannen erste Notsicherungsmaßnahmen. Ein auf Hangsicherung spezialisiertes Unternehmen aus Tirol sicherte das Gestein mit Netzen, ein lokales Erdbauunternehmen verlegte im Burghof eine provisorische Ableitung, um weiteren Niederschlag von der Abbruchkante fernzuhalten. Da Teile der Mauerreste von archäologischer Bedeutung sind, gingen zudem fachkundige Ehrenamtliche das Trümmerfeld ab, um mögliche Funde zu sichern.

Der Weg zum Wiederaufbau

Im Herbst desselben Jahres folgte ein Bau- und Stabilisierungsgerüst, das Hang und Burgmauer zusätzlich abstützte und die beschädigte Mauer vor weiterer Witterung schützte – finanziert unter anderem durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und den Bezirk Oberbayern. Im Februar 2025 bewilligte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Rahmen ihres Nothilfe-Programms zusätzlich 23.000 Euro für die Notsicherung der eingestürzten Vorburgmauer.

Den entscheidenden Schub für den eigentlichen Wiederaufbau brachte schließlich eine Förderzusage des Bayerischen Staatsministers Markus Blume aus dem Entschädigungsfonds in Höhe von 468.000 Euro, die rund 80 bis 90 Prozent der Kosten abdeckt. Seit November 2025 laufen die eigentlichen Wiederaufbauarbeiten: Die Steine der eingestürzten Mauer werden geborgen, gereinigt, sortiert und – soweit möglich – originalgetreu wiederverwendet. Das beauftragte Architekturbüro um Daniel Hoheneder geht davon aus, dass die Mauer bei entsprechender Witterung im Sommer 2026 wieder aufgebaut sein wird. Landrat Otto Lederer brachte es bei einem Baustellenbesuch treffend auf den Punkt: Hier werde im wahrsten Sinne des Wortes jeder Stein umgedreht, um das historische Mauerwerk möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Bis dahin bleibt die Burg für Besucher gesperrt.

Eindrücke auf dem Weg zur Burg

Während unseres „Forschungsurlaubs“ am 06.04.2025.

Für mich mit Wurzeln in Flintsbach ist diese Geschichte mehr als eine Randnotiz: Sie zeigt, wie verletzlich selbst jahrhundertealte Bausubstanz gegenüber den Wetterextremen unserer Zeit ist – und wie viel gemeinschaftlicher Aufwand nötig ist, um ein Stück regionaler Identität zu bewahren.

Quellen

Zugehörige Beiträge

Familienpiraterie
Nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben sich Vater Georg und sein Sohn Georg Henauer aus Flintsbach im Jahre 1848. Gemeinsam mit einem Gesellen haben sich die Nagelschmiede Waren aus einem im Inn gestrandeten Schiff angeeignet. Eine etwas unrühmliche Geschichte im Wasserburger Wochenblatt aus dem Jahre 1851.
Wappen Flintsbach
Flintsbach am Inn ist eine idyllische Gemeinde im Landkreis Rosenheim im bayerischen Voralpenland. Mit seiner Lage etwa 70 Kilometer südöstlich von München zwischen Rosenheim und Kufstein bietet der Ort eine traumhafte Kulisse inmitten einer malerischen Landschaft.
Flintsbach Nagelschmiede
Unsere bisher bekannte Henauer-Linie kommt aus dem schönen Örtchen Flintsbach am Inn bei Rosenheim. Leider haben wir noch nicht herausgefunden, wo diese Familie ursprünglich herkommt. Die sind scheinbar irgendwann dort vom Himmel gefallen. Recherchen in den Nachbarorten haben bisher zu keinen Ergebnis geführt.
Wappen Henauer
Der Familienname „Henauer“ ist vermutlich eine Variante des deutschen Familiennamens „Hennauer“ oder „Hennawer“, der hauptsächlich in der Schweiz vorkommt. Es ist möglich, dass der Name auf den Ort „Hennau“ in der Gemeinde Kesswil im Kanton Thurgau zurückgeht.
Zurück zu → "Geschichten und Ereignisse"